Helmut Eisel's Klarinettengeschichten im
Theater im Frauenhofer am Sonntag 9. März
2003
Besetzung:
Helmut Eisel (Klarinette)
Richard Ebersbach (Klavier)
Duo - kleine Besetzung.
Es kommt nicht so besonders häufig vor,
daß man einen so genauen Überblick
über die Besucher eines Konzertes hat.
Mit genau 28 durchaus zählbar. Damit war
auch das Verhältnis Musiker: Publikum mit
1:14 recht beachtlich!
Nun - zumindest mußte man nicht anstehen.
Entsprechend hatte ich auch während des
gesamten Konzertes einen gewissen Zweifel an
der Motivation von Helmut und Richard.
Wer kann es ihnen verdenken? Die Hinterhofschuhschachtel
in der wohl ältesten Studentenkneipe Münchens
ist eigentlich relativ bekannt für seine
modern traditionell heimatlich internationalen
Konzerte.
Um so mehr hat gewundert, daß nicht mehr
Zuhörer aufgetaucht sind.
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Helmut Eisel und Richard Ebersbach haben dennoch
versucht, aus der Übungsatmosphäre ein richtiges
Konzert zu machen.
Helmut hat auf mich einen etwas niedergedrückten
Eindruck hinterlassen. Nicht nur bei seinen eingeworfenen
gut vorbereiteten Kommentaren, sondern auch musikalisch.
Auch die lebhafteren Stücke (Kolomeika, Firn
di Mekhatonim) waren nicht wirklich beschwingt sondern
leicht nachdenklich. Daran konnte auch Richard mit
seiner subtil humoresken Art
(die mich fast ein wenig an Loriot erinnerte) nicht
viel ändern.
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Helmut liebt Brandwein.
Der Auftritt stand, ebenso wie einige andere
aktuelle Projekte Helmuts unter dem Motto
"Naftule Brandwein".
Das ist schwierig.
Übertrieben so, wie wenn ein zeitgenössischer
Komiker versucht, Charlie Chaplin zu spielen,
oder Motive von Picasso zu malen.
Schwierig eben.
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Brandwein war ohne Zweifel ein außergewöhnlicher
Musiker mit einer besondern Art des Klarinettenspiels.
Es ist absolut legitim, von ihm komponierte Stücke
zu spielen. Sie sind viel zu schön, als das man
das nicht tun sollte.
Aber Helmut Eisel geht einen Schritt weiter.
Er spielt nicht nur die Stücke des Klarinettenvirtuosen,
sondern er zelebriert ihn, streut Legenden und Geschichten
aus dem turbulenten Leben Naftules ein.
Damit läßt sich trefflich Atmosphäre
erzeugen.
2 Klarinettisten: Eisel spielt Brandwein
- da drängt sich doch quasi der Vergleich
mit den historischen Aufnahmen von alleine auf.
2 Klarinettisten wie sie unterschiedlicher
kaum sein könnten. Nicht nur von Lebenswandel
und äußeren Umständen, sondern
auch vom Musikalischen, Temperament und Interpretation.
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Warum nimmt Eisel nicht Dave Tarras als roten Faden
für seine Konzerte, läge ihm dieser doch
von Spiel und Leben näher? Tarras, ein brillianter
Musiker jedoch mit einem unscheinbaren Lebenswandel,
keine Alkoholexzesse, keine Glitzerkostüme, keine
Verbindungen zur Unterwelt, "nur" ein hervorragender
Klarinettist. Daß Brandwein marketingtechnisch
die bessere Wahl ist, soweit will ich nicht gehen
und belasse es dabei, daß Helmut einfach nur
begeistert ist von der Musik Brandweins. So wie ich.
Seine Version des Stückes "Fun Tashlach"
hat mir sehr gut gefallen.
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