Seit einigen Jahren nun gibt es
"Di Fidl-Kapelye", eine junge Formation
aus den Niederlanden, welche sich dem Klang
jener osteuropäischen Klezmerensembles
verpflichtet hat, die rein aus Streich-instrumenten
zusammengesetzt waren.
So ist das erste, was bei
dieser Gruppe auffällt, die Besetzung:
zwei Violinen, ein Cello, ein Kontrabass
und eine Tsimbl, das jüdische Hackbrett.
Nicht zu vergessen ist die Oud, eine arabische
Laute, die abwechselnd vom Kontrabassisten,
Gregor Schaefer, gespielt wird. Obwohl
natürlich kein traditionelles Instrument
der Klezmorim, passt es sich ganz gut
in den Klang der Gruppe ein.
Das zweite, was auffällt
ist, wie unglaublich gut die Gruppe als
Ganzes klingt.
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Bei vier Streichinstrumenten plus
Tsimbl sind die Arrangements wichtig, damit
es abwechslungsreich bleibt. Di Fidl-Kapelye
löst das bravourös, mal spielen alle
heterophon wie beim schwungvollen Eröffnungsstück,
dann wieder alle unison wie beim Stück
Asher Nosam Lonu Toyres Emes, einem instrumental
gespielten Shabes-Nign aus dem Repertoire des
Geigers Leon Schwartz.
Besonders schön auch, wenn nur die beiden
Violinistinnen, Madelin Verheij und Jiska ter
Bals, zusammen spielen, wie bei Haneros Hanelu,
einem technisch anspruchsvollen Stück das
wunderbar übergeht in das Stück Khasin
U Rabina. Letzteres ist mittlerweile im Repertoire
einer nicht unwesentlichen Zahl von Gruppen
zu finden, nicht immer kommt das Wesen der Melodie
so gut zur Geltung wie hier. Sehr zart und frisch
am Anfang, um dann im Verlauf des Stückes
aber doch eine große Intensität zu
entwickeln. Alleine der ersten paar Takte wegen
ist das Album den Erwerb wert.
Überhaupt ist die Stückauswahl zu
loben. Neben eher wenig gespielten, aber sehr
schönen Stücken des Klezmerrepertoires
gibt es auch einige Eigenkompositionen zu hören,
die durchaus gelungen sind, so zum Beispiel
das Stück Dreylechs vom Bassisten Gregor
Schaefer. Einzig das letzte Stück, eine
Instrumentalversion des Liedes Di Zun Vet Aruntergeyn,
scheint nicht so ganz zum Rest dazupassen. Das
Stück hat sich wohl unerlaubt zu den anderen
gesellt.
Bemerkenswert und zu erwähnen ist die Tatsache,
daß die Platte zum Teil ein Konzertmitschnitt
ist, was man aber (fast) nicht bemerkt, da der
Applaus rausgeschnitten wurde. Das Booklet ist
leider nicht sehr informativ, einige Anmerkungen
zu den einzelnen Stücken wären nicht
verfehlt gewesen.
Nochmals zu den Protagonisten selbst:
im Booklet ist zu lesen, das sie sich ihre Inspiration
durch die Teilnahme an Festivals der jüdischen
Musik holen. Was daraus wird, ist deutlich zu
hören, und wenn man sich ansieht und vor
allem anhört, was hier eine neue Generation
von Klezmorim vollbringt, braucht einem um die
Zukunft dieser Musik nicht bange zu sein.
Die Besetzung:
Madelien Verheij - Violine
Jiska ter Bals - Violine
Pit Hermans - Tsimbl
Djoeke Klijzing - Cello
Gregor Schaefer - Kontrabass, Oud
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